Wie gehe ich als Angehörige:r / Mitbetroffene:r mit der Situation um?
Das ist eine emotional extrem belastende Situation. Als Angehöriger fühlt man sich oft hilflos, wütend und gleichzeitig verantwortlich.
Das Wichtigste zuerst: Du kannst niemanden gegen seinen Willen retten. Die Heilung muss vom Betroffenen selbst ausgehen.
Hier ist ein Leitfaden, was du tun kannst – für den Betroffenen, aber vor allem für dich selbst.
🧭 Persönlicher Umgangs- & Selbstschutz-Plan
1. 🎯 Ziel des Plans (für Dich)
- Ich sorge für meine eigene Stabilität
- Ich unterstütze, ohne mich selbst zu verlieren
- Ich übernehme keine Verantwortung für den Konsum der anderen Person
2. 🚦 Früherkennung: Warnsignale definieren
Notiere konkret, woran du merkst, dass es kritisch wird:
Typische Warnsignale:
- vermehrtes Trinken / Heimlichkeit
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit
- Unzuverlässigkeit (Termine, Versprechen)
- Konflikte / Lügen
👉 Deine Aufgabe: Schreibe 3–5 persönliche Warnsignale auf, die Du konkret beobachtest.
3. 🧱 Klare Grenzen (Dein Schutz)
Lege 3–5 nicht verhandelbare Regeln fest:
Beispiele:
- Ich gebe kein Geld für Alkohol
- Ich diskutiere nicht mit dir, wenn du betrunken bist
- Ich verlasse die Situation, wenn es respektlos wird
- In meinem Zuhause gilt: kein Alkohol!
👉 Wichtig:
- Grenzen ruhig ankündigen
- Konsequenzen wirklich umsetzen
4. 🗣️ Kommunikationsstrategie
Wenn die Person nüchtern ist:
- „Ich mache mir Sorgen, weil…“
- „Ich kann das so nicht mehr mittragen…“
- „Ich wünsche mir, dass du dir Hilfe holst.“
Wenn die Person betrunken ist:
- Keine Diskussion
- Kurz + klar: „Wir sprechen morgen darüber.“
- Situation verlassen
5. 🔁 Umgang mit Rückfällen
Rückfälle sind häufig – dein Verhalten sollte stabil bleiben.
Dein Ablauf:
- Nicht eskalieren
- Keine Vorwürfe im Affekt
- Grenzen einhalten
- Thema erst im nüchternen Zustand ansprechen
👉 Leitsatz: „Ich reagiere nicht emotional, sondern konsequent.“
6. 🧘 Eigene Stabilität sichern
Plane bewusst feste Selbstfürsorge-Routinen:
Täglich:
- 30–60 Minuten Zeit nur für dich
- Bewegung oder frische Luft
Wöchentlich:
- Treffen mit Freunden / Familie
- Aktivität, die dir Energie gibt
Mental:
- Tagebuch (Gedanken sortieren)
- Abstand von der Situation zulassen
7. 🤝 Unterstützung für dich
Nutze gezielt Hilfe:
- Angehörigengruppen oder gemischte Selbsthilfegruppen (z. B. Kreuzbund)
- Beratungsstellen (z. B. Caritas, siehe auch Links)
- ggf. eigene Therapie
👉 Ziel: Du bekommst Rückhalt und Perspektive
8. 🚨 Notfallplan
Lege vorher fest, was du tust bei:
- Alkoholvergiftung → 112 anrufen
- Aggression / Eskalation → Distanz schaffen
- Selbstgefährdung → sofort Hilfe holen
👉 Schreibe Dir eine konkrete Handlungskette auf.
9. ❗ Typische Fallen vermeiden
- „Ich rette das schon“
- „Wenn ich genug tue, hört es auf“
- „Ich darf keine Grenzen setzen“
👉 Realität: Du kannst unterstützen – aber nicht kontrollieren oder heilen
10. 🪶 Dein persönlicher Leitsatz
Formuliere einen Satz für dich, z. B.:
- „Ich darf mich schützen.“
- „Ich bin nicht verantwortlich für das Trinken.“
- „Ich bleibe klar und ruhig.“
